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Von der Strategie zur Praxis: GiB beim Bundeskongress ,,Grün in der Stadt“
Beim 4. Bundeskongress „Grün in der Stadt“ wurde die „Agenda Stadt grün-blau“ vorgestellt. Ein Programm, das viele Fragen berührt, die uns auch in der Arbeit vor Ort täglich begegnen: Wie entstehen Orte, die wirklich genutzt werden? Wer kümmert sich darum, dass Angebote ankommen? Und was braucht es, damit gute Ideen nicht an fehlenden Ressourcen scheitern?
Die Agenda bündelt viele Ansätze für klimaresiliente, gesunde und lebenswerte Städte und knüpft an das Weißbuch Stadtgrün an. Ein wichtiges Signal ist, das Themen wie Gesundheit, Wohlbefinden und soziale Teilhabe eine sichtbar größere Rolle spielen als bisher. Gleichzeitig wurde auf dem Kongress deutlich: Ein Modul 5, in dem es um die konkrete Umsetzung gehen soll, ist noch in der Entwicklung. Genau hier entscheidet sich, ob aus guten Ansätzen auch konkrete Veränderungen im Quartier werden und ob Kommunen dafür ausreichend ausgestattet werden.
Eröffnet wurde der Kongress von Bundesbauministerin Verena Hubertz. Sie betonte die Bedeutung von Grün- und Wasserflächen für Lebensqualität, Begegnung und ein gutes Zusammenleben im Quartier. Diese Perspektive deckt sich mit vielen unserer Erfahrungen aus der Praxis, dass Orte für Bewegung, Erholung und Austausch zentrale Bausteine für Gesundheit und Zusammenhalt oder auch gesellschaftliche Teilhabe sind.
In verschiedenen Panels wurde immer wieder hervorgehoben, wie wichtig die Zusammenarbeit über Fachgrenzen hinweg ist. Wenn Stadtentwicklung, Gesundheit und Soziales zusammengedacht werden, entstehen neue Lösungen. Die Agenda wurde in neun Fachressorts erarbeitet. Gleichzeitig wurde auch spürbar, dass diese Zusammenarbeit nicht selbstverständlich ist und oft erst entwickelt werden muss. Fragen, wie unterschiedliche Logiken zusammengebracht werden können oder welche Strukturen es dafür braucht, blieben an vielen Stellen offen. Wir sehen, dass Themen, die wir in GiB vor Allem in der ersten Förderperiode bearbeitet haben, hier auf Bundesebene aufgearbeitet wurden.
Einsamkeit verringern und Teilhabe stärken durch grün-blaue Infrastruktur
Wir haben uns gefreut, dass wir im Rahmen der Agenda-Vorstellung angefragt wurden die GiB Wirkweise darzustellen. Im Workshop ging es um Einsamkeit verringern und Teilhabe stärken.
Grün-blaue Infrastruktur schafft nicht nur ökologischen Mehrwert, sie ist auch ein zentraler Ort der Begegnung und des Austauschs. Öffentliche Grün- und Freiräume können Einsamkeit vorbeugen, indem sie niedrigschwellige Angebote schaffen sowie die Menschen verschiedener Altersgruppen und Hintergründe zusammenbringen. Dieses Forum beleuchtete, wie gemeinwohlorientierte Freiraumgestaltung zur Einsamkeitsprävention beiträgt und welche Rolle grün-blaue Infrastruktur in einer aktiven Gemeinwohlstrategie spielen kann. Einsamkeit wurde dabei von Nils Scheffler (Urban Expert) als „subjektives Gefühl, dass die sozialen Beziehungen, nicht den gewünschten sozialen Beziehungen entsprechen“ beschrieben. Ein Gefühl, dass nicht nur Ältere Menschen, sondern zunehmend auch Jüngere betrifft. Quartiersentwicklung kann hier durch bauliche und gestalterische Maßnahmen entgegenwirken, indem Orte geschaffen werden die ungezwungene Begegnung ermöglichen. Klar ist aber auch, diese Orte sprechen meistens nicht für sich, Gemeinschaft muss gestaltet werden. Damit Menschen diese Orte nutzen, braucht es Angebote und Ansprache vor Ort.
Gemeinsam mit der Stiftung Naturschutz Berlin haben wir gezeigt, wie das in der Praxis zum Beispiel mit Projekten wie Essbare Straße e.V. oder die Naturbegleiter* aussehen kann. Hier entstehen Begegnungen nicht zufällig, sondern durch konkrete Aktivitäten, die an den Lebensrealitäten der Menschen anknüpfen.
Besonders in Quartieren mit hohen Belastungen braucht es verlässliche lokale Partner, die Menschen erreichen und Vertrauen aufgebaut haben. Denn die entscheidende Frage ist nicht nur, wo es Grün gibt, sondern ob und wie es im Alltag tatsächlich genutzt wird.
Der Austausch auf dem Kongress hat gezeigt, dass viele der Themen, die vor Ort längst bearbeitet werden, inzwischen auch auf Bundesebene angekommen sind. Gleichzeitig bleibt die Frage, wie gut sich diese Perspektiven in konkrete Rahmenbedingungen übersetzen. Für uns als GiB ist klar: Damit grün-blaue Infrastruktur ihre Wirkung entfalten kann, braucht es neben guten Konzepten vor allem tragfähige Strukturen, Ressourcen und die Einbindung der Akteure vor Ort. Wir sind gespannt auf das zu erarbeitende Modul 5 der Agenda und wie die Umsetzung vor Ort damit unterstützt wird und sich Wirkung für die Menschen entfaltet.


