Bildrechte: Natalie Drägerhof, Gesundheit Berlin-Brandenburg e. V.

Zweiter Termin der Fachkräfteschulung „Umwelt, Gesundheit & Klima: verstehen, vermitteln und erleben im Kiez“

Wie kann Umweltbildung so gestaltet werden, dass sie unterschiedliche Zielgruppen anspricht und im Arbeitsalltag tragfähig umgesetzt wird? Dieser Frage sind wir gemeinsam mit Fachkräften aus Stadtteilzentren, Nachbarschaftseinrichtungen und weiteren Angeboten der Gemeinwesenarbeit am 18. Februar 2026 in Tempelhof Schöneberg nachgegangen. Ziel der Veranstaltung war es, verschiedene Ansätze kennenzulernen, Erfahrungen auszutauschen und konkrete Ideen für die eigene Arbeit zu entwickeln.

Perspektiven wechseln und Grundlagen stärken

Schon zu Beginn wurde deutlich, wie unterschiedlich die Arbeitskontexte sind und wie ähnlich gleichzeitig die Herausforderungen. Viele Teilnehmer*innen arbeiten in sozial benachteiligten Stadtteilen, in denen Umwelt- und Gesundheitsthemen oft mit ganz anderen Alltagsrealitäten konkurrieren.

Gerade dieser Austausch über verschiedene Sozialräume hinweg wurde als besonders wertvoll erlebt. Er machte sichtbar, wie viel Wissen bereits vorhanden ist und wie unterschiedlich Zugänge sein können. Gleichzeitig entstand ein gemeinsames Verständnis dafür, dass Umweltbildung nur dann funktioniert, wenn sie an Lebensrealitäten anschließt und nicht an ihnen vorbeigeht.

Die Praxisbeispiele lieferten dabei wichtige Anknüpfungspunkte: Der Interkulturelle Garten Lichtenberg machte deutlich, wie Umweltbildung als sozialer Begegnungsraum funktionieren kann und wie stark gemeinsames Tun verbindet. Auch die Perspektiven von Yeşil Çember, die krankheitsbedingt über einen Videobeitrag eingebracht wurden, haben den Blick geschärft für diskriminierungssensible und interkulturelle Zugänge.

Erfahrungen teilen und Ideen entwickeln

Im Austausch verdichteten sich zentrale Erkenntnisse, die viele Teilnehmende aus ihrer eigenen Arbeit bestätigen konnten. Umweltbildung braucht vor allem Zugänglichkeit, sowohl sprachlich als auch visuell. Sie wirkt dann besonders, wenn Menschen aktiv beteiligt sind und Themen gemeinsam erlebt werden. Gleichzeitig wurde betont, wie wichtig es ist, kulturelle Perspektiven mitzudenken und unterschiedliche Bedürfnisse ernst zu nehmen. Ein weiterer zentraler Gedanke war Empowerment: statt ausschließlich Wissen zu vermitteln, geht es darum, Neugier und Motivation zu wecken.

Als praktischen Einstieg sammelten die Teilnehmer*innen Ideen dazu, wie man garantiert niemanden für Natur und Umwelt begeistern würde. Durch die anschließende Umkehr ins Positive entstanden erste Impulse für gelingende, niedrigschwellige Angebote.

In der folgenden Arbeitsphase entwickelten die Teilnehmer*innen vielfältige Ansätze für ihre Praxis. Daraus entstand u. a. der Vorschlag einer temporären Straßensperrung mit einem großen Nachbarschaftsfest und einer langen Tafel, an der Menschen zusammenkommen und beim gemeinschaftlichen Essen ins Gespräch kommen. Auch Müllsammelaktionen wurden als niedrigschwelliger Einstieg benannt. Spielerische Ansätze wie ein Umweltbildungs-Memory oder andere visuelle Formate können Inhalte vermitteln, ohne auf komplizierte Sprache angewiesen zu sein. Der Fokus liegt dabei auf Erleben statt Erklären.

Fazit und Ausblick

Der zweite Termin hat deutlich gemacht, dass zielgruppengerechte Umweltbildung weniger eine Frage großer Konzepte ist als eine Frage von Haltung, Sprache und Anschlussfähigkeit. In der gemeinsamen Reflexion zeigte sich erneut, wie viel Wissen, Kreativität und Engagement bereits in den Einrichtungen vorhanden ist. Umweltbildung muss nicht neu erfunden werden, sondern kann an bestehende Angebote anknüpfen und diese gezielt erweitern. Besonders geschätzt wurde die heterogene Zusammensetzung der Teilnehmer*innen, die den Austausch über Professionsgrenzen hinaus förderte und so auch den Horizont der eigenen Arbeit erweitert. VDie Fachkräfte eint die gemeinsame Motivation zur Gestaltung gesundheitsförderlicher und zugleich ökologisch nachhaltiger und sozial gerechterer Lebensbedingungen in Berliner Quartieren.

Die Schulungsreihe wird am 21.04.2026 mit dem Schwerpunkten Klimakrise, Klimaanpassung und Citizen Science fortgesetzt. Am 16.06.2026 werden wir uns mit Umweltgerechtigkeit und am 15.09.2026 mit Naturerfahrung und Biodiversität beschäftigen. Die Termine können unabhängig voneinander besucht werden. Informationen zur Anmeldung folgen in Kürze auf der Seite von Gesundheit Berlin Brandenburg e. V.

Hier geht es zum Bericht der ersten Veranstaltung der Schulungsreihe.

Bildrechte: Natalie Drägerhof, Gesundheit Berlin-Brandenburg e. V.

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