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Mehr als Online sein: Medienkompetenz in der Stadtteilarbeit fördern
Wie kann Medienbildung so gestaltet werden, dass sie Familien, Kinder, Jugendliche und ältere Menschen wirklich erreicht? Dieser Frage gingen wir am 19.05.2026 in der 9. Werkstatt im Rahmen von „Gesund in Berlin – Stadtteile im Blick“ (GiB) nach. Unter dem Titel „Mehr als online sein: Medienkompetenz in der Stadtteilarbeit fördern“ stand ein Thema im Mittelpunkt, das für Fachkräfte der Stadtteilarbeit immer wichtiger wird.
Zum Vernetzen und Austauschen über dieses Thema, trafen sich Fachkräfte im Bürgerzentrum Neukölln. Schnell wurde deutlich, dass digitale Medien längst zum Alltag gehören. Gleichzeitig sind viele Menschen mit den Anforderungen im Medienalltag überfordert. Das betrifft Eltern kleiner Kinder ebenso wie Jugendliche, ältere Menschen und Fachkräfte, die Orientierung geben wollen. Medienbildung ist deshalb mehr als Wissensvermittlung. Sie muss an Lebensrealitäten anknüpfen, Vertrauen schaffen und Menschen in ihrem Alltag unterstützen.
Till Steinmetz (CIA Spandau) und John Poltermann (freiberufl. Medienpädagoge) gaben einen fachlichen Einblick in Medienkompetenz. Medien fernzuhalten ist keine Lösung. Was wirkt, ist Begleitung. Für Kinder bedeutet das, Erlebnisse aus der Medienwelt zum Gesprächsanlass zu machen. Für Jugendliche, Kritikfähigkeit gegenüber Deepfakes, Algorithmen und Desinformation zu stärken. Für ältere Menschen, digitale Teilhabe als Voraussetzung für soziale Teilhabe zu verstehen und gleichzeitig vor digitalem Betrug zu schützen.
Ein zentrales Ergebnis der Arbeitsgruppe von Jörg Nothacker (Miomaxito e.V.) und Thomas Büttner (Naturwissenschaftlichen und kulturellen Bildungsverbund Moabit) war, dass Mediennutzung meist nicht für sich allein steht. Häufig hängt sie mit Überforderung, Einsamkeit oder unsicheren Lebenslagen zusammen. Gerade bei Familien zeigt sich deshalb oft schon früh ein Unterstützungsbedarf. Viele Eltern wünschen sich Orientierung, fühlen sich im Medienalltag ihrer Kinder aber unsicher. Hinzu kommt, dass digitale Grundkenntnisse fehlen und viele nicht gut einschätzen können, wie Algorithmen oder KI-Anwendungen funktionieren. Das erschwert einen kritischen und selbstbestimmten Umgang mit digitalen Medien. Als wirksam wurden vor allem Angebote beschrieben, die zu den Menschen in die Lebensumfelder kommen und an vertraute Orte und Angebote anknüpfen. Für Eltern und vor allem Alleinerziehende können feste Gruppen, vertraute Beziehungen und Kinderbetreuung den Zugang erleichtern. medienbiografische Arbeit, Elterncafés oder praktische Übungen zu App-Nutzung und Sicherheitseinstellungen wurden als alltagsnahe Formate hervorgehoben.
Auch für Kinder und Jugendliche braucht es passende Räume, in denen sie Fragen zu Medien, Konsum, Cybermobbing oder Fake News besprechen können, zeigte die Arbeitsgruppe von Martin Melior (freiberufl. Medienpädagoge). Hier funktionieren besonders Angebote, die Wissen mit praktischem Ausprobieren verbinden. Genannt wurden praktische Workshops zu Stop-Motion Filmen, Comics oder Robotik sowie Gespräche über Cybermobbing, Fake News und ständige Erreichbarkeit. Dabei geht es nicht nur um Nutzungszeiten, sondern vor allem um einen reflektierten Umgang mit Medien. Jugendclubs und Stadtteil-, und Familienzentren können hier neben Schule eine wichtige Rolle als vertrauensvollen Ort spielen.
Für ältere Menschen sind dagegen verlässliche Informationen und persönliche Ansprechpersonen besonders wichtig. Melanie Thoma (Seniorennetz Berlin) und Magret Hampel (Infotelefon von Silbernetz e. V.) stellten dafür niedrigschwellige Zugänge vor. Sie bieten direkte Unterstützung und verweisen auf Kurse zur Einrichtung und Umgang mit eigenen digitalen Geräten in Stadtteileinrichtungen.
Für Menschen im erwerbsfähigen Alter ohne Kinder fehlen bislang oft passende Zugänge. Diese Lücke wurde in der Werkstatt klar benannt.
Besonders wirksame Zugänge sind dabei Menschen aus dem Stadtteil selbst: Vorbilder und Testimonials aus der Zielgruppe schaffen oft mehr Vertrauen als allgemeine Informationskampagnen.
Für Fachkräfte wurde deutlich, dass gute Medienbildung Zeit braucht, Beziehung und verlässliche Rahmenbedingungen. Sie wirkt am besten, wenn sie als Teil sozialraumorientierter und gesundheitsfördernder Arbeit verstanden wird. Technikaffine Eltern, generationsverbindendes Lernen, digitales Ehrenamt und Digital Streetwork können dabei wertvolle Bausteine sein.
Auch bei dieser Werkstatt hat sich gezeigt, dass kurzfristige Projekte nicht ausreichen. Wenn Vertrauen wachsen und schwer erreichbare Zielgruppen angesprochen werden sollen, braucht es verlässliche Strukturen und dauerhafte Förderung. Fachkräfte können fehlende Ressourcen nicht durch Engagement allein ausgleichen.


