Bildrechte: Boris Metz, Gesundheit Berlin-Brandenburg e. V.

Wege zum Transfer lokaler Ansätze Teil II – GiB auf dem Kongress Armut und Gesundheit 2026

17.03.2026, 10:30–11:30 Uhr, Senatssaal, Henry-Ford-Bau, Freie Universität Berlin

Im Rahmen des Kongress Armut und Gesundheit haben wir uns in einem Workshop mit der Frage beschäftigt, wie erfolgreich (Projekt-)Ansätze in andere (Stadtteil-)Kontexte übertragen und skaliert werden können. Gemeinsam mit Tina Hilbert (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen) und Ramona Holzer (RESTLOS GLÜCKLICH e. V.) haben wir mit den Teilnehmenden reflektiert, warum die Verbreitung lokal entwickelte Ansätze oft an unterschiedlichen Herausforderungen scheitert.

Ausgangspunkt unserer Diskussion bildeten Erfahrungen aus den Projektförderungen von GiB. Dabei wurde deutlich, dass die Übertragung bestehender Ansätze nicht ohne Weiteres gelingt und eine 1:1-Übertragung nicht möglich bzw. sinnvoll ist.

Im Anschluss arbeiteten wir in einem World-Café-Format mit drei thematischen Tischen und zwei Diskussionsrunden, um aus unterschiedlichen Perspektiven auf die Thematik zu blicken. Die Teilnehmenden verteilten sich nach Interesse und diskutierten auf Basis vorbereiteter Leitfragen und zentraler Erkenntnisse aus der letzten, themengleichen GiB-Werkstatt. Im Fokus standen drei Fragestellungen:

Was MUSS ein lokaler Ansatz mitbringen, damit er an einem anderen Ort grundsätzlich funktionieren kann – unabhängig vom Thema?“

Je komplexer eine Maßnahme ist, desto schwieriger ist sie zu skalieren. Auch wenn diese Erkenntnis nicht neu war, war dies ein wichtiger Ausgangspunkt, um die Voraussetzungen für eine Skalierung zu diskutieren. Wünschenswert wäre ein modularer Aufbau eines Ansatzes im Baukastenprinzip, um je nach Bedarf vor Ort passende Maßnahmen auswählen zu können. Hierfür braucht es einen offenen Reflexionsprozess, um festzulegen, welche Bausteine skaliert werden können und welche an die bestehenden Gegebenheiten vor Ort angepasst werden müssen. Auch eine entsprechende Professionalisierung mit ausreichend Ressourcen ist notwendig, um die Übertragbarkeit zu sichern.

Wie muss auf die Gegebenheiten vor Ort eingegangen werden, damit ein bestehender Ansatz (erfolgreich) übertragen werden kann?

Entscheidend sind die genaue Analyse der konkreten Zielgruppen vor Ort, die Einbindung lokaler Netzwerke und eine flexible Anpassung der Projektbausteine. Ramona Holzer machte deutlich: die Lösung liegt im Kiez. Ernsthafte Partizipation mit der Zielgruppe gelingt mit einer Analyse auf Augenhöhe: Welche Ressourcen, aber auch Hindernisse gibt es? Wie sehen die Alltagserfahrungen aus und welche Bedarfe ergeben sich daraus? Welche Zugänge zu der Zielgruppe gibt es? Auch dabei lohnt sich der enge Austausch mit lokalen Akteur*innen, um einerseits Synergien und eine gemeinsame Vision zu schaffen und dabei andererseits Doppelstrukturen zu vermeiden.

Was überzeugt Entscheidungsträger*innen, einen lokal entwickelten Ansatz zu verbreiten oder zu finanzieren?

Erarbeitet wurde, dass vor allem klare Nutzenargumente für Politik und Fördermittelgebende und eine Kommunikation, die an bestehende Strategien anschließt, erfolgreich sind. Relevant sind vor allem auch Hinweise auf nachhaltige Wirkweisen und die dahinterliegenden Konzepte, wie die Nutzung vorhandener Ressourcen, Einbettung in bestehende Strukturen (z. B. Anschluss an laufende Programme und Strategien), und Multiplikator*innen-Konzepte. Wichtig ist, dass komplexe Sachverhalte etwa durch eine einfache Sprache, übersichtliche Materialien und die Darstellung von Wirkungen und Kosten klar und verständlich aufbereitet werden. Erfahrungsberichte und lebendige Praxisgeschichten zeigen neben nachvollziehbaren, datenbasierten Grundlagen und einer transparenten Beschreibung der eingesetzten Methoden, dass ein Ansatz funktioniert und übertragbar ist.

In der abschließenden Reflexion haben wir zentrale Erkenntnisse zusammengeführt. Besonders hervorgehoben wurde, dass Transfer immer ein Lernprozess ist, der Zielgruppen, Netzwerke und Ressourcen vor Ort berücksichtigen muss.

Unser Fazit: Erfolgreiche Skalierung bedeutet nicht die 1:1-Übertragung von Projekten, sondern die Übertragung zentraler Prinzipien bei gleichzeitiger Anpassung an lokale Bedingungen. Um gesundheitliche Ungleichheiten nachhaltig zu reduzieren, braucht es daher sowohl den systematischen Wissenstransfer als auch förderliche politische Rahmenbedingungen. Unser Workshop hat hierzu konkrete und praxisnahe Impulse geliefert.

Bildrechte: Natalie Drägerhof, Gesundheit Berlin-Brandenburg e. V.

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